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2.11.2005

Info von UNITED

Zu den Themen der Nazidemonstrationen in Karlsruhe und Rastatt

Die Mottos der Veranstaltungen von Worch und Co. am 3. Dezember 2005 sind nicht nur aus Vorsicht gegenüber dem neuen §130 StGB (Volksverhetzung) gewählt, in dem erstmalig festgelegt wurde, dass bestraft wird "wer öffentlich ...die nationalsozialistische Gewalt und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt."

Die Aufrufe sind vielmehr Teil eines strategischen Vorgehens der Rechtsextremisten:

Thema Jugendkultur

Neonazis, organisiert in sogenannten Kameradschaften und in Parteien wie der NPD, versuchen immer wieder, Einfluss vor allem auf Jugendliche zu nehmen. Ihre Mittel sind am Anfang die kostenlose Verteilung von Musik-CDs und die Veranstaltung von Konzerten. Später kommt die offene nationalistisch-rassistische Propaganda dazu. Ihr Ziel ist, Jugendkulturen zu dominieren und andere Denk- und Lebensweisen unmöglich zu machen. In manchen Gegenden Deutschlands war dieses Konzept leider bereits erfolgreich. DemokratInnen und MigrantInnen sind dort ständiger Bedrohung ausgesetzt.

Dass den Nazistrategen dabei ein Jugend- und Kulturzentrum wie das Art Canrobert in Rastatt ein Dorn im Auge ist, ergibt sich aus dessen Selbstdarstellung:

"Der als gemeinnützig anerkannte Verein Art Canrobert e.V. Rastatt versucht bisher erfolgreich Jugendlichen eine Möglichkeit der Selbstverwirklichung, Persönlichkeitsgestaltung und kreativen Gestaltung der Freizeit zu bieten. Wichtige gesellschaftliche Ziele des Vereines sind die richtige und nachhaltige Integration ausländischer Jugendlicher, Umweltschutz und das Entgegnen von Politikverdrossenheit und Desinteresse an weltpolitischen Themen."

Die Neonazis haben richtig erkannt, dass eine freie und unabhängige Jugendkultur die beste Garantie gegen menschenverachtenden Einfluss ist. Es wäre schön, wenn die politischen Entscheidungsträger in unserer Region dies auch erkennen würden.

Thema Märtyrer

Eine zentrale Tradition des Nationalsozialismus ist der Märtyrerkult. Wie schon in den 30er Jahren der SA-Schläger Horst Wessel nach seinem Tod von der NSDAP verherrlicht wurde, versuchen heutige Rechtsextremisten den Tod des Neonazis Sandro Weilkes für ihre Propaganda zu benutzen. Bewusst soll der als "Märtyrer- Gedenkmarsch" geplante Nazi-Fackelzug in den Straßen Karlsruhes Erinnerungen an die dunkelsten Tage der deutschen Geschichte wecken.

Dass die Nazis in ganz Europa suchen mussten, um 2 tote Neonazis und 1 ermordeten Rechtspopulisten aufzählen zu können, spricht für sich. Die Liste ihrer Opfer sieht dagegen ganz anders aus: Allein in Deutschland wurden seit 1990 mehr als 130 Menschen von Rechtsextremisten ermordet.


Quelle: Armin, UNITED

© Antifaschistisches Aktionsbündnis Karlsruhe