4.12.2006

Infos

Zweifel an Bahn-Ausstellung über Deportationen

In einer Pressemitteilung antwortete die bundesweite "Initiative Elftausend Kinder" auf die Ankündigung der Bahn AG und des Bundesministers für Verkehr, im übernächsten Jahr eine Ausstellung über die Deportationen auf dem deutschen Schienennetz zeigen zu wollen.

Wir veröffentlichen die Pressemitteilung im Wortlaut:


Pressemitteilung:

Zweifel an Bahn-Ausstellung über Deportationen

Kein Einvernehmen mit Initiatoren. Demonstrationen gehen weiter

In mehreren Erklärungen haben die Initiatoren der Ausstellung über die NS-Deportationen der Reichsbahn erste Zugeständnisse des Bahnvorsitzenden Mehdorn begrüßt, aber für nicht ausreichend erklärt.

Mehdorn willigte am Freitag nach zweijährigen Verboten ein, die deutschen Publikumsbahnhöfe für das Gedenken an 11.000 deportierte jüdische Kinder und 3 Millionen weitere Reichsbahn-Opfer zu öffnen. Allerdings, so Mehdorn in einer gemeinsamen Erklärung mit Bundesverkehrsminister Tiefensee, verfolge die Bahn AG "ein eigenes ... Konzept". Das Opferarchiv der französischen Organisation von Beate Klarsfeld bezeichnet Mehdorn als "Material", das in die angekündigte Ausstellung "integriert" werden könne.

Demgegenüber verlangen Beate und Serge Klarsfeld die Einrichtung eines wissenschaftlichen Komitees, an dem ihre Opferorganisation ("Fils et Filles des Déportés Juifs de France", Paris) beteiligt werden müsse. Nur unter dieser Voraussetzung sei eine Kooperation mit der Bahn AG denkbar.

Auch die deutschen Initiatoren ("Initiative Elftausend Kinder") fordern ein Ausstellungskuratorium unter führender Mitwirkung der Klarsfeld-Organisation. "Die gesellschaftliche Aufgabe des Gedenkens ist keine exklusive Angelegenheit des Bahnvorstands", heißt es in der Erklärung. Die deutsche Öffentlichkeit müsse mitwirken, insbesondere seien die in 20 deutschen Städten arbeitenden Bürgerinitiativen zu beteiligen.

Zweifel bestehen auch an den von Mehdorn zugestandenen Ausstellungsinhalten.

Heißt es in der Mehdorn/Tiefensee-Erklärung, Ziel der Ausstellung sei es, "die Rolle der Reichsbahn im Holocaust aufzuzeigen", so lehnen die Initiatoren diese Einschränkung ab. Statt einer organisationstechnischen Darstellung müsse das Schicksal der Kinder und aller anderen Deportierten in den Mittelpunkt gestellt werden. Dies erfordere mehr als eine bloße Erweiterung der bereits existierenden Bahnausstellung in Nürnberg. Die Bahn AG weigere sich noch immer, die Leidenswege der Opfer auf dem deutschen Schienennetz zu erforschen und ihrer angemessen zu gedenken.

Gegen Versuche, die geplante Ausstellung in Seitenbereiche der Bahnhöfe zu verschieben, kündigen die Initiatoren Widerstand an. Wie in Frankreich, wo die Ausstellung jahrelang ohne Einschränkungen zu sehen war, müsse das Gedenken auch auf den deutschen Bahnhöfen in zentralen Bereichen stattfinden.

Die Alleinverfügung Mehdorns über Ausstellungsinhalte und Ausstellungsorte macht es  unwahrscheinlich, daß die seit 2 Jahren schwelende Auseinandersetzung beendet werden könnte. Deswegen kündigen die Initiatoren weitere Demonstrationen auf den deutschen Bahnhöfen an und wollen die internationale Öffentlichkeit verstärkt einbeziehen.


Initiative Elftausend Kinder

03. Dezember 2006


© Antifaschistisches Aktionsbündnis Karlsruhe