3.4.2006

Infos

Kein Naziaufmarsch am 8. April 2006
in Mannheim!

Eine Region wehrt sich!
Gegen Holocaust-Leugner, gegen Nazi-Aufmärsche und gegen Gewalt!

Unter diesem Titel ruft ein breites Bündnis gegen Rechts zur Demonstration gegen einen geplanten Naziaufmarsch in Mannheim am 8. April 2006 auf. 66 Organisationen und über 80 Einzelpersonen haben den Aufruf (siehe unten) unterschrieben. Treffpunkt für AntifaschistInnen ist 10.00 Uhr vor dem DGB-Haus in Mannheim.

Der Naziaufmarsch ist für 13.00 Uhr, Vorplatz des Wasserturms geplant und bisher von der Stadt Mannheim verboten. Dieses Verbot wurde vom Verwaltungsgericht Karlsruhe bestätigt. Eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg steht noch aus.

Wir wissen, wie kurzfristig Gerichtsentscheidungen gefasst werden, und wie oft das Bundesverfassungsgericht zu Gunsten der Nazis entschieden hat. Die geplanten Aufmärsche am 3. Dezember 2005 und am 28. Januar 2006 in Karlsruhe haben wir nur mit vereinten Kräften verhindert. Deshalb wollen wir auch die Mannheimer AntifaschistInnen unterstützen.

Wir treffen uns zur gemeinsamen Zugfahrt um 9:00 Uhr in der Halle des Hauptbahnhofs Karlsruhe (Info-Point-DB).
Abfahrt des Zuges (RB) ist 9:25 Uhr / Ankunft in Mannheim 10:18 Uhr.



Aufruf:

Eine Region wehrt sich!
Gegen Holocaust-Leugner, gegen Nazi-Aufmärsche und gegen Gewalt!

Am Samstag, den 8. April 2006, wollen die "Freien Nationalisten Rhein-Neckar" eine bundesweite und große Demonstration angeblich für Presse- und Meinungsfreiheit durchführen. Diese jungen Nazis haben sich Mannheim als Ort ausgewählt, weil hier einer ihrer Vordenker Ernst Zündel vor Gericht steht.

Zündel ist angeklagt wegen Volksverhetzung, der Anstachelung zum Rassenhass sowie der Verbreitung rechtsradikaler Propaganda im Internet. So bestreitet er beispielsweise die Massentötung von Juden, Sinti und Roma durch Zyklon B in Auschwitz. Zündel und Co. leugnen oder relativieren den Holocaust, also die systematische Vernichtung von Millionen von Menschen in den Konzentrationslagern der Nazis, wofür Auschwitz als Synonym steht. Zündel und andere unverbesserliche Nazi-Größen, die in Haft sitzen, gefallen sich selbst in der Rolle der politisch unterdrückten "Kämpfer" für "Deutschlands Ehre". Sie treten gegen die in ihren Augen immer noch bestehende Fremdbestimmung durch die Alliierten des 2. Weltkrieges auf. Und sie geben sich als Opfer einer politisch motivierten Justiz aus. Über solche verquerten Ideologiekonstrukte betreiben diese alten Nazis den Schulterschluss mit jungen Nazis. Diese haben sich in so genannten "freien Kameradschaften" zusammengeschlossen und rekrutieren den Nazinachwuchs.

Für die Verbreitung von rassistischen Parolen und die Leugnung des Holocaust kann es keine Liberalität und keine Presse- und Meinungsfreiheit geben. Nicht umsonst ist die "Auschwitzlüge" ein Straftatbestand in Deutschland.

Wir wollen nicht wegschauen sondern offensiv und deutlich hörbar widersprechen und keine falschen Zugeständnisse machen. Die Leugnung der Naziverbrechen ist keine Meinungsäußerung, die eine Demokratie aushalten muss. Faschismus ist und bleibt menschenverachtend!

Diese Jungnazis haben die Rhein-Neckar-Region zu einer Hochburg für Nazi-Rock-Konzerte ausgebaut. Einzelne von ihnen verdienen sich eine goldene Nase an den Tonträgern mit Nazimusik. Sie wollen sich bei Grünstadt ein riesiges Grundstück mit Anwesen als eigene Versammlungsstätte erwerben. Dem müssen wir entschieden entgegentreten.

Wir verurteilen mit Nachdruck jede Form von Gewalt, Antisemitismus, Rassismus und Faschismus. Wir wehren uns dagegen, dass Menschen - gleich welcher Nationalität, Religion, ethnischer oder sonstiger Herkunft - durch Gewalt oder Diskriminierung verletzt oder beleidigt werden.

Wir wollen eine offene und eine demokratische Region sein, die Toleranz, Verständigung und ein gutes Miteinander mit ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern pflegt. Unsere Lehre aus der Nazi-Diktatur ist, dass wir jederzeit und gemeinsam gegen alte und junge Nazis aufstehen und dass wir uns auch mit der Geschichte auseinandersetzen. Zu Holocaust-Leugnern und Nazi-Aufmärschen dürfen und werden wir nicht schweigen.

Wir appellieren an die Bürgerinnen und Bürger in der Region, überall und jederzeit gegen Gewalt, Fremdenhass, Antisemitismus und Rassismus Stellung zu beziehen und sich mit Zivilcourage einzumischen: einzeln und gemeinsam, in Aktionen, Veranstaltungen oder durch Gesten der Solidarität und Mitmenschlichkeit.

In unserer Region gibt es keinen Platz für Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Naziaufmärsche. Alle sind aufgerufen, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz oder in Vereinen und Gruppen einen Beitrag zu leisten. In diesem Sinne unterstützen wir alle Initiativen in der Bürgerschaft, die aktiv für Toleranz, Liberalität und Offenheit einstehen. Wir appellieren vor allem an die Schulen und Hochschulen, an die Kirchen, Parteien, Jugendgruppen, soziale Institutionen, Sportvereine und kulturelle Einrichtungen, jedem Ansatz von Fremdenfeindlichkeit und rechter Gewalt entschieden entgegenzutreten. Wir unterstützen Veranstaltungen, Diskussionen und Begegnungen, um sich mit den Ursachen und Motiven von rechter Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus zu befassen.

Alle sind aufgerufen, sich an der gemeinsamen und friedlichen Kundgebung und Demonstration gegen den Nazi- Aufmarsch am 8. April in Mannheim zu beteiligen und die vielfältigen weiteren antifaschistischen und gewaltfreien Aktionen zu unterstützen.

Die Kurpfalz: offen, tolerant und demokratisch!
Keine Chance für Fremdenhass, Gewalt und Holocaust-Leugner!
Kein Naziaufmarsch am 8. April!

Bündnis gegen Rechts, c/o DGB Mannheim,
Hans-Böckler-Straße, 68161 Mannheim



© Antifaschistisches Aktionsbündnis Karlsruhe